Erste gleichgeschlechtliche Beziehung

Ich bin seit 2015 Schülerin der Tilemannschule und vor ungefähr drei Jahren habe ich mich zum ersten Mal gefragt, ob ich wirklich hetero bin. Ich hatte keinen konkreten Anlass, mir diese Frage zu stellen, außer dass ich es nicht als selbstverständlich angesehen habe hetero zu sein. Vielleicht war es Glück oder einfach nur Zufall, denn eine meiner Freundinnen hat sich dieselbe Frage gestellt und so haben wir in der anderen eine Vertrauensperson gefunden. Nach ein paar Monaten haben wir Gefühle für einander entwickelt und sind zusammengekommen. Meine Freunde wussten davon und haben sehr gut reagiert. Auch meine Familie hat mich unterstützt und obwohl der Prozess meines Coming-Outs in meinem nahen Umfeld recht reibungslos verlief, habe ich doch recht deutlich gespürt, dass meine Beziehung anders wahrgenommen wurde. Obwohl ich nie öffentlich, radikale Homophobie erfahren habe, wurden einem doch öfters seltsame Blicke zugeworfen oder Kommentare gemacht.

Ich bin der Meinung, dass Homophobie viele Schichten hat und sich nicht nur in körperlicher oder verbaler Gewalt äußert, sondern auch in der unterschwelligen Reaktion auf queere Personen. Ich bin mir bewusst, dass es für viele Leute etwas Ungewohntes und Neues ist und demnach ist es verständlich, dass sie zwei Sekunden länger hinschauen. Mein Wunsch ist jedoch, dass es so normal wird, dass man irgendwann nicht mehr sagen muss: „Ich bin bi“, oder: „Ich bin lesbisch“, sondern dass man einfach sagt: „Wir sind zusammen, Wir sind verliebt“.


Was mir damals in der Mittelstufe sehr geholfen hat, war ganz eindeutig die öffentliche Beziehung zweier Mädchen aus der Oberstufe. Es gab mir das Gefühl, nicht alleine zu sein und es hat mich darin bestärkt weiterhin Ich-selbst zu sein. Da ich über die letzten Jahre viele eigene Erfahrungen gesammelt habe, hoffe ich sehr, dass ich einigen jüngeren Schüler:innen zeigen kann, dass es okay ist, queer zu sein, ohne sich zu schämen oder zu verstecken. Mein Ziel ist es Mut zu machen, zu unterstützen und noch mehr dazuzulernen.

Ich frage mich oft, wie man Leute hassen kann, die sich lieben und niemandem etwas tun. Meistens ist es allerdings noch nicht mal purer Hass, sondern eine unterbewusste Abneigung gegen etwas, was man nicht kennt und was nicht in seine eigene Weltvorstellung passt. Der beste Schritt verinnerlichte Homophobie zu bekämpfen ist also eigentlich ganz simpel: Normalisierung und das Hinterfragen von gesellschaftlichen Normen. Menschen haben Angst vor dem, was sie nicht verstehen, also müssen wir aufklären und dabei geduldig sein. Wir müssen Gespräche über LGBTQ+ beginnen und am Laufen halten, sodass es nicht selbstverständlich ist, dass ein Kind hetero ist. Wir müssen denen, die alleine sind und von Familie oder Freunden nicht akzeptiert werden, einen Ort geben, an dem sie sie selbst sein können und mehr über sich selbst und ihre Sexualität erfahren.
Wir alle machen Fehler und niemand kann alles wissen, aber das Wichtigste ist, einander zuzuhören und verstehen zu wollen.

Autorin: Tjorven Druck



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