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Tilepullover – Neue Logos

Wir wollen bald neue Tilepullover mit einem neuen Logo bestellen. Im Folgenden findet ihr Entwürfe, die in Frage kommen. Bitte stimmt in den Klassen über euren Favorit ab.


Vorschlag Nr.1


Vorschlag Nr.2

Dieses Logo stammt ursprünglich vom Abiturjahrgang 2016. Natürlich wird, falls dieses Logo gewählt wird, das Banner mit dem Schriftzug „ABI 2016“ entfernt.


Vorschlag Nr.3 A+B

In Anlehnung an Vorschlag Nr.2



Vorschlag Nr.5


Vorschlag Nr.6


Vorschlag Nr.7

Ein Jahr Hanau – Was haben wir gelernt?


Ein Kommentar/Analyse von Anastasia Kathilu (10g2) und David Ludwig (10g1)


Was ist passiert?
Am 19 Februar 2020 erschoss der 43-jährige Hanauer Tobias Rathjen in Hanau, vor einer
Shisha Bar, einem Kiosk und in einer weiteren Bar, 9 Bürger mit Migrationshintergrund.
Daraufhin erschoss er in seiner elterlichen Wohnung seine Mutter und sich selbst. Dieses
Vergehen war zwar eine rassistische Tat, aber Rathjen soll wohl kein Anhänger einer
rechtsextremistischen Ideologie gewesen sein, laut BKA. Aus diesem Grund verherrlichen
Politiker das Rassismus-Problem in Deutschland, da man begründet es sei ein einzelfall
gewesen.
Wie kam es dazu, dass der Generalbundesanwalt Monate vor der Tat einen Brief des Täters
erhalten hat, diesem aber nicht nachgegangen ist? Wie kam es dazu, dass Rathjen legal Waffen
besitzen durfte, obwohl er unter bekannten psychischen Auffälligkeiten litt? Und auch am Tag
des Verbrechens unterliefen der Polizei jede Menge Fehler. Das Opfer Vili Viorel Paun
versuchte mehrmals vergeblich in der Notrufzentrale an zurufen. Diese sind jedoch nur an
zwei Arbeitsplätzen der Notrufzentrale entgegengenommen worden, die anderen wurden
nicht mal weitergeleitet. Da stellt sich die Fragen, ob das Opfer den Anschlag überleben hätte
können, wenn die Polizei rechtzeitig erfahren hätte, was in dieser Nacht passiert ist. Ein
weiterer Fehler war, dass der Notausgang der Arena Bar verschlossen war, welches angeblich
eine Anordnung der Polizei gewesen sei, da sie oft Razzien in diesen Bars durchführt.
Auf der Gedenkfeier am 19. Februar betonten Ministerpräsident Volker Bouffier und Hanaus
Oberbürgermeister Claus Kaminsky, dass es das oberste Ziel sei gegen Hass und Hetze zu
kämpfen. Außerdem bestanden sie darauf, an der Seite der Angehörigen zu stehen, als
Zeichen, dass die oberste Priorität ist, die Angehörigen zu unterstützen und Sie nicht allein mit
diesem Schmerz zu lassen. Laut Oberbürgermeister Claus Kaminsky soll der 19. Februar als
Gedenktag verankert werden. Vor allem wolle er sich der Verantwortung stellen, da es an
Angeboten für Dialog, Diskussion, Beratung und Betreuung mangelt, um in Zukunft in Frieden
und Sicherheit leben zu können. Denn so eine Tat dürfe nie wieder geschehen, so die
jeweiligen Politiker.
Rechtsextreme Anschläge in den Jahren zuvor
Schon am 19. Oktober 2019 versuchte ein Rechtsextremist am Jom Kippur, einem jüdischen
Feiertag, die Synagoge in Halle (Saale) zu stürmen. Als dies, wie durch ein Wunder, nicht
gelang, da ihn eine Holztür den Weg zur Synagoge versperrte und er diese nicht öffnen konnte,
tötete er eine Passantin auf der Straße und stürmte in einen naheliegenden Dönerladen, um
dort eine weitere Person zu ermorden.
Der Täter wurde am 20. April 2020 zu zweifachen Mordes und 68 versuchten Mordes zu
lebenslanger Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.
Einige Monate zuvor, am 01. Juni 2019, suchten zwei Rechtsextremisten den Kassler
Regierungspräsidenten Walter Lübcke auf und erschossen ihn vor seinem Wohnhaus. Der
Auslöser für diese Tat war wohl eine Infoveranstaltung, die die beiden Täter besucht haben,
wo Lübcke über Nächstenliebe in Bezug auf die Flüchtlingspolitik sprach. Von diesem
Zeitpunkt an, kontaktierten ihn die Täter mit Morddrohungen und Anfeindungen. Das
nationalistische und völkische Denken und der Ausländerhass verleiteten die Täter zu dieser
grausamen Tat.
Die Täter haben sich ein Waffenasynal angelegt und den Umgang und das Zielen mit den
Waffen geübt.
Der Polizei waren die Täter schon bekannt, da sie zur Kassler Neonazi- Szene gehört haben.
Der zweite Täter, der die Pistole nicht bedient hat, bekam nur, wegen illegalen
Waffenbesitzes, eine lächerliche Bewährungsstrafe von 18 Monaten und wurde nicht wegen
Beihilfe zum Mord verurteilt.
Ob die rechtspopulistische Partei “Alternative für Deutschland” an den Taten
mitverantwortlich ist, ist nicht bewiesen. Klar ist, dass es, seitdem die Rechten in allen
deutschen Parlamenten und im EU-Parlament sitzen, rechtsextremistische Anfeindungen und
daraus resultierend rechtsextreme Anschläge drastisch gestiegen sind. So mag der Täter von
Halle zwar ein einzeltäter gewesen sein, dennoch wird in Deutschland durch diese Partei,
durch Verharmlosung des Holocaust, Anfeindung gegen Ausländer und demokratische
Politiker und Parteien, der Mut durch einzelne Menschen gefasst, Anschläge zu verüben.
Was hat sich seitdem verändert?
Auf seiten der Politik hat sich nicht viel, seit dem Attentat getan. Laut Experten könne sich ein
Vorfall, wie er in Hanau und Halle (Saale) geschehen ist, immer wieder wiederholen und dieses
Gefühl ist bei vielen Menschen mit Migrationshintergrund vorhanden und allgegenwärtig.
Man hat das Gefühl, die Bevölkerung habe endlich verstanden, dass Deutschland und Europa
ein Problem mit Rassismus und Rechtsextremismus hat, allerdings erkennt man dies nicht bei
den regierenden Parteien.
Dies merkt man auch bei abgelehnten Änderungen der Gesetze, wie zum Beispiel bei der
Verschärfung des Waffengesetzes, wo der bayerische Innenminister mit der Tradition des
Jagens und des Schießens argumentiert. Man erkennt also eher das Problem im nicht aufrecht
erhalten der Tradition, anstatt in der Sicherheit für Minderheiten, die wie alle anderen
Menschen auch, die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.
Kommentar der Autor*innen
Es hilft nicht, sich mit einem Gedenkschild oder einem Spruch fotografieren zu lassen, um
symbolisch seine Bestürzung auszudrücken, wenn nicht endlich gehandelt wird! Es ist
niemandem damit geholfen, dass man zwar an die Opfer denkt, nicht aber gegen Extremismus
vorgeht, wenn man sich nicht endlich eingestehen kann, dass wir ein Rassismus-Problem in
Deutschland haben. Wenn eine rechte Partei, der Rechtsextreme und Faschisten angehören,
in allen deutschen Parlamenten sitzt, sollte man sich überlegen, was im Land eigentlich
schiefläuft. Denn die AfD ist ein geistiger Brandstifter und Brandbeschleuniger für
rechtsextreme Gewalttaten und Anfeindung im Netz und auf den Straßen. Sie sitzen in den
Parlamenten und tragen das Kostüm der unschuldigen Partei, die mit Rechtsextremismus
nichts zu tun hätte, obwohl ihre Politiker praktisch in jeder wichtigen Rede verfassungswidrige
und ethisch und moralisch nicht vertretbare Dinge kundtun. Sie versuchen, die
demokratischen Parteien zu provozieren und schieben sich deshalb immer mehr in die rechte
Ecke.
Aber auch die anderen Parteien müssen sich an die eigene Nase fassen, um zu erkennen, dass
Tradition nicht mehr Wert hat als sicheres Leben in der Bundesrepublik Deutschland.
Gerade in Zeiten von social-Media ist das Problem allgegenwärtiger denn je. Hasskommentare
werden unter Videos gepostet, gemäßigte, rechte Gesinnungen werden durch
Verschwörungstheorien radikalisiert. Menschen fühlen sich ermutigt, extremistische Taten zu
begehen und die Mehrheit der User im Netz schweigt. Jeder einzelne sollte darauf achten,
aufzupassen was im Internet kommuniziert und verbreitet wird, um einen kleinen Teil dazu
beizutragen, dass solche Angriffe, wie wir sie in Hanau, Halle und Kassel erlebt haben, sich nie
mehr wiederholen werden.


Say their names:
Gökhan Gültekin
Sedat Gürbüz
Said Nesar Hashemi
Mercedes Kierpacz
Hamza Kurtović
Vili Viorel Paun
Fatih Saraçoğlu
Ferhat Unvar
Gabriele Rathjen
Walter Lübcke
Jana Lange
Kevin Schwarze

Nicht wegschauen – sondern handeln

Gurnoor Pannu, Elias Chulie

Black Lives Matter Fist Patches Patches & Pins xn--kopsch-orthopdie-7nb.de

Themen/Fragen:

  • Was ist Rassismus?
  • Wie entstand es?
  • Wie beeinflusst Rassismus unseren Alltag?
  • Was kann man dagegen tun?
  • Persönliche Erfahrung

„Niemand wird mit dem Hass auf andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ethnischen
Herkunft oder Religion geboren. Hass wird gelernt. Und wenn man Hass lernen kann,
kann man auch lernen zu lieben. Denn Liebe ist ein viel natürlicheres Empfinden im
Herzen eines Menschen als ihr Gegenteil.“

Nelson Mandela

Was ist Rassismus?
An was denkst du, wenn du das Wort Rassismus hörst? Wahrscheinlich an Beleidigungen,
Hass und Hetzte gegen anders aussehende Menschen. Aber der Begriff Rassismus hat eine
viel tiefgründigere Bedeutung, die wir euch in diesem Artikel näherbringen wollen.
Interessant ist, dass der Begriff Rassismus erst in den 1920er Jahren entstanden ist, während
es die eigentliche Einteilung in verschiedene Rassen schon seit dem 17. Jahrhundert gibt.
Während der Begriff ,,Rassismus“ sich generell auf die Einteilung von Menschen in Rassen
bezieht, gibt es dennoch verschiedene Definitionsversuche. Die inhaltliche Definition basiert
auf einer biologischen Theorie, dass klare abgegrenzte Rassen existieren. Diese sollen sich in
physischen, intellektuellen und charakterlichen Eigenschaften unterscheiden. Formale
Definitionsversuche sprechen hingegen davon, dass man eine ,,eigene Gemeinschaften“ bildet
und die, die nicht die selben äußerlichen Eigenschaften, wie Hautfarbe oder bestimmte
körperliche Merkmale haben, ausgrenzt und diese als “Fremde“ bezeichnet.
Gurnoor Pannu, Elias Chulie
Wie entstand der Rassismus?
Rassismus, ist erstaunlich jung und entstand im 18. Jahrhundert. Hinzu kommt, dass es
Sklavenhandel gab und viele Afrikaner ins Ausland, vor allem nach Amerika, deportiert
wurden. Auch in vielen Werken verschiedenster Philosophen kann man die Einteilung
zwischen weißen, schwarzen sowie „Indianern“, also Native Americans, erkennen. So
erklärte beispielsweise Immanuel Kant, dass die Weißen den schwarzen Menschen sowie den
Indianern übergeordnet waren. Schließlich wurden schwarze Sklaven nicht als Menschen
anerkannt, sondern mit Nutztieren verglichen, da diese den „Weißen“ als Arbeiter dienten. Sie
wurden wie Tiere behandelt, indem sie geschlagen, bestraft und sogar getötet wurden.
Um die Rassen aber auch genau einteilen zu können,
benutzte man Skalas und Tabellen. Diese listeten die Haarund Hautfarben von 1 – 28 auf, anhand welchen man eine
Person seiner Rasse zuordnen konnte. Beispielsweise lagen
blonde glatte Haare auf der 1, was bedeutet, dass diese
Person übergeordnet war, während eine schwarzhaarige Person mit Locken auf der 28 als
minderwertig galt.
Rassismus zu Zeit des Hitler-Regimes
Besonders zur Zeit des NS-Regimes gewann die Rassenlehre immer mehr Bedeutung.
Adolf Hitler nutze es für sich aus, dass die Bürger im Land die Schuld für die ganzen
Katastrophen, die es zu der Zeit gab (InflaFon, Arbeitslosigkeit, ReparaFonszahlungen), auf
jemanden bzw. eine besFmmte Gruppe von Menschen schieben wollte. Mit seinen
anFsemiFschen und rassisFschen Ideologien und Strategien, trieb Hitler die Schuldzuweisung
gegen die Juden und einzelne Minderheiten an. Hitler ging gegen diese Minderheiten vor
und rechNerFgte seine Taten sowie den Kolonialismus und die Übernahme „unchristlicher“
Länder, die nicht in sein Weltbild passten, indem er an seine Ideologien appellierte.
Man könnte denken, dass wir im Jahr 2021 endlich den Rassismus hinter uns gelegt haben,
aber auch heute begegnen wir noch Diskriminierung. Selbst in einem so privilegierten Land
wie Deutschland merkt man, dass Ausgrenzung und Abwertung an der Tagesordnung stehen.
Wusstest du?
Biologen vermaßen den Schädel der
Afrikaner und hatten behauptet, dass deren
Schädel als Rangfolge zwischen dem eines
Europäers und eines Affens sei.
Gurnoor Pannu, Elias Chulie


Wie beeinflusst Rassismus unseren Alltag?

Rassismus | Eine Übersicht von demokratie-bw.de


Mit insgesamt um die 21,2 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund ist Deutschland
ein sehr diverses Land mit einer Vielzahl an Kulturen und Religionen. So eine Vielfalt bringt
aber leider auch einige Probleme und Konflikte mit sich.
Rassismus bedeutet nicht direkt, dass es sich um brutale Gewalttaten handelt, sondern bereits
kleine und zunächst unauffällige
Handlungen können großen Einfluss
haben.

Ein Beispiel:
Hast du jemals ein Raum betreten
und alle Gespräche verstummen und
alle Augen sind auf dich gerichtet?
Solche Personen meinen es oft nicht
böse, aber genau so drückt sich in hohen Maßen alltagsrassistisches Handeln aus. Dieses
Gefühl, „falsch“ zu sein und nicht dazu zu gehören, so fühlen sich Menschen, die als „anders“
bezeichnet werden. Vor allem Ausländer, welche sich durch äußerliche Eigenschaften von
dem „blonden, blauäugigen Deutschen“ unterscheiden, müssen sich oft anhören: Woher
kommst du? Aus welchem Land bist du? Genau diese Fragen markieren und machen deutlich:


Du gehörst nicht zu uns.

Aber kein Mensch wird mit rassistischem Denken geboren. Die Einteilung in Rassen lernen
wir schon im Kindesalter: Von unseren Eltern, im Kindergarten oder selbst in Werbungen. Vor
allem die Werbungen, welche dich dazu anregen sollen, armen Kindern in Afrika Geld zu
spenden, prägen uns. Hört man nun das Wort Afrika, denkt man an arme Dörfer und Kinder,
was mit der Realität größtenteils gar nicht übereinstimmt. Sieht man nun beispielsweise eine
Person, welche „nicht Deutsch aussieht“, allerdings flüssig
deutsch spricht und schreibt, müssen diese oft den Spruch
hören: „Du sprichst aber gut deutsch!“. Und so ist der
Alltagsrassismus ein Teil unseres Lebens, weswegen es um so
wichtiger ist, unsere Vielfalt nicht zu leugnen, sondern zu
erkennen und zu akzeptieren und unsere Mitmenschen über die
Unterschiede zu lehren, was uns ein Schritt näher bringt,
friedlicher miteinander zu leben.

Wusstest du?
„racial profiling“ bezeichnet die
Kontrolle in zum Beispiel
Flughäfen, bei der der Fokus auf die
Hautfarbe und Sprache liegt. Somit
werden Leute mit auffälligen
äußerlichen Merkmalen eher für
eine Kontrolle aus der Schlange
gezogen.

Positiver Rassismus
Vielleicht hast du schonmal von dem Wort „positiver Rassismus“ gehört. Mit dem Begriff
„positiv“ verbinden wir etwas Gutes. Etwas, was uns von anderen, im besseren Sinne,
unterscheidet. Oft bekommen schwarze Frauen zu hören, dass sie ja gut singen müssten, da ja
viele schwarze Frauen, zum Beispiel in Gospel-Chören, singen. Im ersten Moment ist dies ja
ein gut gemeinter Satz, allerdings werden die angesprochenen Personen nun auf die Frauen,
die singen, reduziert. Ebenso ist es mit schwarzen Männern, die sich immer wieder den
Spruch anhören müssen, dass man ja super schnell rennen müsste, da ja Usain Bolt der
schnellste Mann der Welt ist. Mann wird auf einen Menschen oder eine besFmmte Gruppe
reduziert, obwohl dies den Menschen, die so etwas sagen, gar nicht bewusst ist.
Was kann man dagegen tun?
Anti-Rassist zu sein bedeutet nicht unbedingt auf Demonstrationen zu gehen, oder an
Projekten teilzunehmen. Es muss gar nicht so kompliziert sein. Es reicht allgemein sich für
andere einzusetzen und nicht wegzuschauen, wenn man mitbekommt, dass jemand
diskriminiert wird, ganz egal worum es geht. Es ist aber wichtig, Gewalttaten zu vermeiden
und den Rassisten über seine Tat aufzuklären. Besonders gefährlich sind Vorurteile und
Unwissenheit, weswegen es so wichtig ist, sich selbst und andere zu informieren.
Persönliche Erfahrung
Wir sind Gurnoor und Elias, zwei Schüler von der Tilemannschule. Genauso wie andere
Schüler gehen wir morgens in die Schule und treffen Freunde. Aber genauso erfahren auch
wir alltäglich eine Form von Rassismus.
Die Frage „Woher kommst du?“ gibt uns fasst schon Gänsehaut. Wir beide hatten immer das
Problem, wie man darauf antwortet. Will die Person jetzt wissen, dass ich in Diez wohne oder
ob meine Eltern aus Afghanistan sind? Wenn ich jetzt mit ,,aus Diez“ antworte, kommt eine
fast schon rhetorische Frage ,,Nein ich meine woher du kommst?“
Die Person meint es zwar nicht schlecht, dennoch sind solche Fragen sehr unangenehm und
einfach unangebracht.
Gurnoor Pannu, Elias Chulie
Mein Aussehen sollte kein Indiz dafür sein, woher ich abstamme.
Ich musste mir schon oft die Frage anhören, ob ich Asiate oder Chinese bin. Die Frage an sich
ist für mich nicht schlimm, aber ich finde es traurig, dass man Menschen durch äußerliche
Merkmale in bestimme Gruppen teilt. Selbst wenn ich die Frage verneine, wurde mir nicht
geglaubt, was für mich vor allem als Kind schwer zu verstehen war und einen selbst auch
zweifeln ließ. Bin ich jetzt anders? Und solche Fragen prägen einen. Sie verfolgen dich wie
ein Schatten.
Warum überhaupt spielt meine Herkunft eine Rolle? Sie sagt nichts über meinen Charakter
und meine Persönlichkeit aus. Und genau da setzt der Rassismus mit Vorurteilen an.
„Guckt in die Herzen und Köpfe, nicht auf die Hautfarbe, die Herkunft oder die Religion.
Dann werdet ihr feststellen: Wir sind alle eins, nur verschieden“
Dunja Hayali


Quellen:
https://youtu.be/SU6n2TCa-Fo
https://www.humanrights.ch/de/ipf/menschenrechte/rassismus/dossier/was-ist-rassismus/
https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/213678/was-ist-eigentlichrassismus
https://www.caritas.de/neue-caritas/heftarchiv/jahrgang2013/artikel/rassismus-im-alltag–
und-was-man-dagegen
https://www.bpb.de/mediathek/178985/die-entstehung-des-rassismus
https://youtu.be/lOsGMX_Vg8M
Eigene Erfahrungen

Interview mit Frau Pehoviak

Zum Einstieg in das neu gegründete Projekt „SCHULE MIT COURAGE“ befragen wir unsere Sozialpädagogin Frau Pehoviak zu ihrer Einschätzung der Situation an der Tilemannschule.

Wir (Tjorven Druck und Miriam Conrad) treffen uns mit ihr am Montag, den 15.03.2021.

  1. Einleitung

Miriam:

Seit Neuestem gibt es ein von Herrn Tobor geleitetes, langfristig angelegtes Projekt: „SCHULE MIT COURAGE“. Es geht darum, gegen jede Form von Diskriminierung an der Tilemannschule vorzugehen, also z.B. gegen Sexismus, Klassismus, Rassismus, Homophobie und alles, was damit zusammenhängt.

Zum Einstieg erscheint es uns sinnvoll, uns erst einmal einen Eindruck von der Situation zu verschaffen, weshalb wir Sie als Schulsozialpädagogin interviewen.

Tjorven:

Wie lange sind Sie denn jetzt schon an der Schule?

Frau Pehoviak:

Seit zehn Jahren. Davor habe ich auch etwas an anderen Schulen gemacht.

Tjorven:

Wie nehmen Sie das Thema „Diskriminierung“ an der Schule in diesen zehn Jahren wahr, auch im Vergleich zu anderen Schulen, die Sie kennen gelernt haben?

Frau Pehoviak:

Ich glaube, es wird bewusster. Dadurch, dass es thematisiert wird. Dadurch, dass es kein Tabuthema mehr ist, achtet man besonders darauf und geht es offensiver an als vorher.

Tjorven:

Woran, denken Sie, liegt es, dass solche Themen mittlerweile weniger tabu und mehr öffentlich sind?

Frau Pehoviak:

Durch die Medien, denke ich. Dadurch, dass Dinge benannt werden, die vorher einfach unter den Teppich gekehrt wurden.

Miriam:

Sie sehen da also einen positiven Verlauf. Wie könnte da unser Projekt ansetzen?

Frau Pehoviak:

Ich glaube, es wichtig, dass, egal was es ist, sei es Homophobie, Rassismus oder Klassismus, die Dinge beim Namen genannt werden müssen. Dass es okay ist, unterschiedlich zu sein.

Man erreicht sehr viel durch das Gespräch, durch Erklären einer Situation, um die Angst zu nehmen. Durch ein Interview, durch euer Projekt, durch das Zusammenkommen von interessierten Schülern, durch das Weiterverbreiten, was euch bewegt.

Tjorven:

Meistens sind es Schüler, die mit Problemen wie rassistischen Bemerkungen zu Ihnen kommen, aber diese Probleme betreffen alle, auch die Lehrerschaft. Wie nehmen sie den Kontrast zwischen Schüler:innen und Lehrer:innen wahr?

Frau Pehoviak:

Ich glaube, gerade bei jungen Schüler:innen ist es schwierig, von so etwas wie Rassismus, Homophobie, etc. zu sprechen. Sie sagen viele Sachen, ohne sich dabei bewusst zu machen, was sie da sagen.

Wenn solche Ausdrücke allerdings von einem Erwachsenen oder von einem älteren Schüler kommen, erwarte ich, dass dieser weiß, wovon er spricht. Das ist der große Unterschied:  dass Erwachsene das bewusst machen, wohingegen Kinder einfach irgendwelche Ausdrücke verwenden, die andere verletzen sollen.

Miriam:

Wie sehen Sie das speziell an der Tilemannschule? Also gerade bei der Lehrerschaft, wie ist da die Atmosphäre, gibt es da den Dialog, wird darüber geredet oder diskutiert? Oder sind solche Themen tabu?

Frau Pehoviak:

Es wird im Lehrerzimmer nicht offen darüber diskutiert, aber bei entsprechenden Vorfällen oder Tendenzen werden schon Einzelpersonen angesprochen. Also das Thema wird nicht übergangen, mittlerweile gibt es immer mehr Lehrkräfte, die sich dann dafür einsetzen und das klären.

Tjorven:

Denken Sie, Diskriminierung im Allgemeinen ist ein großes Thema an unserer Schule?

Frau Pehoviak:

Nein, gerade im Moment nicht, gerade auch wegen der Corona-Situation stehen ganz andere Themen im Vordergrund.

Miriam:

Wie würden Sie das im Vergleich zu anderen Schulen einschätzen, von der Problematik her?

Frau Pehoviak:

Ich höre momentan sehr wenig von anderen Schulen. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass an anderen Schulen mehr darüber diskutiert wird.

Tjorven:

Hat die Tilemannschule da ein bestimmtes Image unter der Elternschaft?

Frau Pehoviak:

Ich glaube, dass die Tilemannschule da einen ganz guten Ruf hat. Also dass solche Themen auch abseits vom reinen Lernen angesprochen werden und Lehrer:innen engagiert sind.

Miriam:

Sie stehen sehr häufig in Kontakt mit Schüler:innen, z. B. bei Gesprächen über persönliche Probleme oder Buddy-Stunden für die jüngeren Klassen. Wie kommen die Schüler:innen während dem Homeschooling auf Sie zu?

Frau Pehoviak:

Ich werde oft angeschrieben, per Handy oder per Mail.

Tjorven:

Und sind die Probleme die gleichen wie vor Corona?

Frau Pehoviak:

Es ist unterschiedlich, je nach dem, welche Probleme das sind. Probleme aus dem häuslichen Bereich haben sich durch den Lockdown in der Regel intensiviert, schulische Probleme treten durch den Distanzunterricht eher in den Hintergrund. Soziale Konflikte haben sich mehr ins Digitale verlagert.

  • Klassismus

Tjorven:

Kommen wir zum ersten Schwerpunkt, nämlich Klassismus. Das ist ja ein relativ neuer Begriff, wie würden sie ihn jemandem beschreiben, der ihn nicht kennt?

Frau Pehoviak:

(kurze Pause)   Ich glaube, ich würde ihn ähnlich der Situation in Indien beschreiben, wo man Menschen in Klassen einteilt, wo Menschen höherer Klassen quasi „besser“ sind als Menschen niederer Klassen (bezogen z. B. auf materiellen Reichtum und Besitz, Nahrungskette o. Ä.).

Tjorven:

Ich kann mir vorstellen, dass gerade während der Pandemie, im Homeschooling, diese Klassenunterschiede zwischen den Schülern sichtbarer und auch problematischer werden. Zum Beispiel weniger technische Möglichkeiten, für die man sich eher schämt (Frau Pehoviak nickt zustimmend), als um Hilfe zu fragen. Wie würden Sie die Situation mit unserer durch die Pandemie sensibilisierteren Wahrnehmung beschreiben?

Frau Pehoviak:

Ich glaube, in erster Linie muss überhaupt einmal das Bewusstsein geweckt werden, dass nicht jeder über dieses technische Equipment verfügt. Auch dass jeder ein eigenes Zimmer und seine Ruhe hat, ist nicht selbstverständlich. Ich denke aber, mittlerweile ist das auch angekommen und es gibt entsprechende Möglichkeiten, die Schüler:innen dabei zu unterstützen. Zum Beispiel werden Dokumente als Briefe geschickt und mobile Endgeräte werden zur Verfügung gestellt. Scheinbar ist jetzt endlich bei den meisten angekommen, dass bestimmte Voraussetzungen nicht überall gegeben sind.

Tjorven:

Und könnten Sie sich vorstellen, dass solche Unterschiede aktiv zu Mobbing beitragen?

Frau Pehoviak:

(Pause)   Wenn ja, dann ist es eher etwas, was zu anderen Dingen hinzukommt, was einen weiteren Angriffspunkt bietet, was aber nicht den Auslöser für Mobbing darstellt. Hoffe ich zumindest!

Miriam:

Wie sehen Sie das bezogen auf „typische Statussymbole“ wie Handy, Markenklamotten, etc., vor und während der Pandemie im Kontrast?

Frau Pehoviak:

Ich denke, solche Dinge spielen nach wie vor eine große Rolle. Nur weil man sich nicht sieht, heißt das nicht, dass man diese aus dem Fokus verliert.

Tjorven:

Können Sie sich vorstellen, dass sich durch Corona etwas verändert?

Frau Pehoviak:

Ich hoffe, dass es sich zum Positiven verändert. Und dass es dann auch ein bisschen anhält.

Tjorven:

Wie würde diese Veränderung genau aussehen, z.B. an der Tilemannschule?

Frau Pehoviak:

Dass man wertschätzt, dass man einander wieder sieht, dass die anderen einfach wieder da sind, dass das Ende der Isolation und damit das Miteinander geschätzt wird. Und dass das das Verhalten verändert. Dass man dadurch toleranter ist. Ich weiß nicht, ob es so ist, und wenn ja, wie lange es anhält.

  • Rassismus

Miriam:

Dann würden wir zum Schwerpunkt Rassismus übergehen. Wie schätzen Sie da die Situation ein? Ist verbaler Rassismus jetzt vermehrt digital zu finden? Wie kann man sich das vorstellen?

Frau Pehoviak:

Ich denke schon, dass Rassismus im digitalen Bereich zunimmt, besonders in (WhatsApp-)Gruppen, unpersönlich, man sieht sich dabei nicht. Wie gesagt ist das bei jüngeren Schüler:innen unbewusster als bei älteren, die eigentlich wissen, was sie sagen und meinen.

Was ich oft mitbekomme, sind Kommentare oder Bemerkungen in (WhatsApp-) Gruppen, die zwar gelesen, aber kurz danach gelöscht werden.

Miriam:

Also werden Worte praktisch wieder zurückgenommen. Würden Sie den vorhandenen Rassismus eher als unbewussten, unterschwelligen oder eher als offenen, bewusst angreifenden Rassismus beschreiben?

Frau Pehoviak:

Ich glaube, es gibt beides. Es gibt sowohl dieses Unterschwellige, was man vielleicht hinterher wieder zurücknehmen möchte, als auch das Gezielte, um den anderen zu verletzen.

Miriam:

Was würden Sie sagen, in welchem Ausmaß das jeweils stattfindet?

Frau Pehoviak:

Das ist eine schwierige Frage… Das abzuschätzen ist nicht leicht, ich kriege ja nicht alles mit. Ich bekomme mal Einzelfälle mit, die mich auch sehr erschrecken. Wie hoch die Dunkelziffer ist, weiß ich nicht.

Tjorven:

Seit letztem Jahr geht die „Black-Lives-Matter“ nicht nur durch die amerikanische Gesellschaft. Ist da etwas bei den Schüler:innen hängengeblieben?

Frau Pehoviak:

Wie gesagt, ich habe das Gefühl, das wird alles bewusster. Speziell der Fall von George Floyd wurde im Lehrerzimmer thematisiert, da war man sich einig, dass das sehr verwerflich ist, was da passiert ist. Dass das nicht passieren darf, aber es dennoch passiert. Unter älteren Schüler:innen war es schon Thema, auf jeden Fall. Bei den jüngeren… der ein oder andere wusste es und hat es dann mal kurz gesagt.

Tjorven:

Denken Sie, dass durch diese Debatte langfristig etwas hängen bleiben wird?

Frau Pehoviak:

(zuversichtlich)   Ja, ich glaube schon. Ich hoffe sehr. Ich habe schon den Eindruck, dass man viel sensibilisierter ist. Und auch mehr darauf achtet. Dass es überhaupt in unserer Gesellschaft Rassismus gibt, ist mehr in unser Bewusstsein gerückt.

Tjorven:

Was, denken Sie, sind die positiven und negativen Aspekte dieser Konfrontation mit solchen Themen durch Medien, gerade bei jungen Menschen? Kann man Fünftklässlern diese Konfrontation zumuten?

Frau Pehoviak:

Das Positive ist, dass es publik wird! Das Negative daran ist, dass sich da natürlich auch wieder Gruppierungen bilden, die dagegen sind, die analog nicht so einfach zustande kämen wie im Netz.

Ich denke, dass die Kinder schützenswert sind, in vielen Bereichen. Sie werden mit vielen Dingen konfrontiert, die sie nicht verarbeiten können. Das heißt nicht, dass man sie nicht konfrontieren soll, aber man muss sie dabei begleiten.

Miriam:

Das ist ja gerade an diesem Punkt schwierig, wo jeder praktisch seinen eigenen Internetzugriff hat und dadurch oft unkontrolliert mit Informationen konfrontiert wird, wo man kaum eingreifen und Einfluss nehmen kann, um die Kinder mit schwierigen Themen zu begleiten.

Frau Pehoviak:

Ich erinnere mich besonders an den „Axtmörder“ hier in Limburg, als dieses Video überall herumging. Da bin ich in einzelne Klassen gegangen, um zu thematisieren, was sie da gesehen haben. Weil viele wissen, dass das falsch ist, dass sie das eigentlich nicht sehen wollen, nicht sehen sollen, aber es eben doch tun, um vielleicht nicht als Feigling zu gelten. Gerade in solchen Fällen ist es eigentlich wichtig, dass die Kinder auf eine kindliche Art und Weise an die Themen herangeführt werden. So, dass sie es begreifen können.

Tjorven:

Es gibt ja beispielsweise Klassenbuddy-Stunden, würden Sie sagen, dass diese zur Begleitung der Jüngeren geeignet sind? Oder muss man da anders …

Frau Pehoviak:

(unterbricht)   Da muss man ganz anders drangehen! Wenn man an die Themen dran will, über die Themen reden will, muss man das in einem ganz anderen Rahmen machen. Ich denke, so etwas müsste im Rahmen von Ethik- oder Religionsunterricht besprochen werden, vielleicht auch im Deutschunterricht… Oder auch in einer Stunde mit mir, das müsste ganz anders besprochen werden. Ich schätze die Klassenbuddys wirklich sehr, aber mit einem solchen Themenbereich müssten auch wir erst einmal fertig werden, bevor wir den Dialog suchen.

  • Homophobie/LGBTQ+

Tjorven:
Als nächstes würde ich gerne über das Thema Homophobie sprechen. Viele meiner Freunde sind Teil der LGBTQ+ Community und sind lesbisch oder bisexuell. Früher hatte ich nie das Gefühl, dass besonders viele Leute aus der Tilemannschule Teil der Community sind, aber dann habe ich immer mehr Leute kennengelernt. Können Sie grob einschätzen, wie viele Leute hier an der Schule Teil der Community sind?

Miriam:
Vielleicht können Sie einschätzen, in welchen Jahrgangstufen sich dieses Bewusstsein entwickelt, was dann auch dafür sorgt, dass die Leute dazu stehen.
Frau Pehoviak:
Ich glaube, das Bewusstsein kommt ab Jahrgangsstufe sechs. Zumindest gibt es da die ersten, die das auch thematisieren. Ich glaube, das geht bei einigen relativ früh los, dass man sich damit auseinandersetzt. Ich kann mir vorstellen, dass es ein großer Teil der Schülerschaft ist und je älter ihr werdet, umso mehr wird einem das ja auch bewusst.

Tjorven:
Bei mir was es früher in der Mittelstufe so, dass mir die öffentliche Beziehung von einem lesbischen Paar aus der Oberstufe sehr viel Mut gemacht. Es hat mir sehr geholfen, so etwas zu sehen und ich hatte nicht zwingend das Gefühl, dass sie offen Homophobie erfahren haben. Als ich dann aber selbst in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung war, ist mir aufgefallen, dass diese unterschwellige Homophobie immer noch sehr stark ist. Man wird nicht offen darauf angesprochen, aber diese Blicke, die man zugeworfen bekommt, sorgen schon für eine unangenehme Atmosphäre. Kann man an unserer Schule offen Teil der Community sein oder wie würden Sie das einschätzen?

Frau Pehoviak:
Ich würde mir wünschen, dass man es offen sein kann. Ich kann mir vorstellen, dass viele sehr unsicher mit dem Umgang sind. Ich glaube, dass die wenigsten das in Ablehnung ausdrücken würden, sondern dass diese Unsicherheit eine große Rolle spielt.

Tjorven:
Im Zuge unseres Projekts werden wir einige Informationstexte, zum Beispiel Erfahrungsberichte zu dem Thema schreiben, damit darüber aufgeklärt wird und es vielleicht etwas normaler wird und die Unsicherheit abnimmt. Denken Sie, dass das Projekt dafür sorgen könnte, dass manche Schüler:innen sich wohler in ihrer Haut fühlen werden und bereiter sind, sie selbst zu sein?

Frau Pehoviak:
Ich denke, das würde sehr dazu beitragen. Ich denke nicht, dass große sprunghafte Veränderungen von heute auf morgen kommen werden, aber ich glaube, dass es als Thema immer wieder auftaucht und darüber gesprochen wird. Dass es okay ist und so sein darf, dass Menschen homosexuell, bisexuell oder heterosexuell sind. Ich glaube, bei vielen steckt Angst dahinter, Angst um die eigene Identität, die ja gerade auch in der Pubertät nochmal eine große Rolle spielt. Schließlich ist man ja in dieser Zeit am Suchen, wer man denn eigentlich ist. Daist es ja nochmal extremer als überhaupt. Zu Toleranz gehört eben auch, dass man Dinge toleriert, die anders sind als „Ich“.

Tjorven:
Ich denke, Homophobie ist noch sehr stark in vielen Köpfen verankert und da kann man nicht zwingend etwas dafür, weil das auch viel mit Erziehung zu tun hat, allerdings sollte man im Laufe des Lebens anfangen, reflektierter zu denken und zu handeln.
Was, denken Sie, haben die Lehrer:innen für einen Einfluss? Sollten sich die Lehrer:innen mehr gemeinsam mit den Schüler:innen damit beschäftigen?

Frau Pehoviak:
Ich glaube, es wäre hilfreich, wenn das Thema Homophobie auch nochmal gesondert bei Lehrer:innen besprochen wird. Denn Lehrer:innen sind ja nicht anders als andere Menschen auch und ich glaube, dass diese Angst und diese Unsicherheit und dieses„Nicht-Wissen“, wie man damit umgeht, auch bei Lehrern vorliegt, natürlich.

  • Sexismus

Miriam:
Wir würden jetzt auch noch das Thema Sexismus ansprechen. Ich persönlich finde es schwierig zu erfassen, denn es gibt zum einen die „populären“ Sexismus Erfahrungen im Beruf und der Gesellschaft an sich, aber wie kann man das auf die Schule übertragen, ohne zu sagen, dass die Schule selbst daran schuld ist und es sich eher um ein gesellschaftliches Problem handelt? Wo sehen Sie sexistische Strukturen im Schulalltag?

Frau Pehoviak:
Ich glaube, die sind querbeet vertreten, überall. Das fängt schon im Kindergarten an, bis ins Alter.

Miriam:
Oft wird es ja nur im erwachsenen Alter angesprochen. Wie, denken Sie, könnte man schon früher damit anfangen, daran zu arbeiten, aufzuklären und ein Bewusstsein dafür entwickeln?

Frau Pehoviak:
Es wird ja schon im Kindergarten viel gemacht, zum Beispiel, dass die Jungs auch mit Puppen spielen und nicht mehr nur rosa und hellblau gekleidet wird. Ich glaube, da sind schon viele Sachen in den letzten Jahrzehnten passiert. Allerdings ist das auch etwas, was bewusster besprochen werden muss, um die Angst davor zu nehmen. Es geht bei allen Themen ja darum, dass jemand aus irgendeinem Grund in seiner Identität herabgesetzt wird, verletzt oder nicht respektiert wird. Ich glaube, dass dieses Toleranzhaben gegenüber Menschen, die anders sind, das ist, was all dem zu Grunde liegt. Einfach Respekt voreinander haben.

Miriam:
Dass sexistische Strukturen schon im Kleinkindalter anfangen, ist Fakt. Mich würde interessieren, wie das Bewusstsein dazu in der Schule ist. Inwiefern beschäftigen sich die Schüler:innen und auch Lehrer:innen mit dem Thema noch während der Schulzeit?

Frau Pehoviak:
Ich glaube, dass das im Lebensalltag eine große Rolle spielt und die Erwachsenen versuchen, alle gleich zu behandeln. Einen Vorwurf, den ich schon sehr oft gehört habe, ist zum Beispiel, dass in der Schuledie Mädchen bevorzugt und die Jungs benachteiligt werden. Und obwohl diese Wahrnehmung schon so da ist, muss damit noch offensiver umgegangen werden. Es muss klarer benannt werden.

Miriam:
Sexismus ist sehr unterschwellig und deswegen nehmen ihn viele nicht so bewusst wahr und hinterfragen ihre Handlungen nicht. Wie großwürden Sie die Bereitschaft einschätzen, sich selbst Fehler einzugestehen und sich vorzunehmen, daran zu arbeiten?

Frau Pehoviak:
Ich glaube, dass man mittlerweile in Bezug auf Homophobie wacher ist als in Bezug auf Sexismus. Und die Bereitschaft, Fehler einzugestehen, hat sehr viel mit der Persönlichkeit zu tun. Es gibt Menschen, die denken, dass sie alles richtig machen und gehen sofort in die Offensive, wenn man Kritik äußert, aber genauso gibt es andere Menschen, die viel kritikfähiger sind.

Tjorven:
Das finde ich interessant. Sie haben gesagt, dass das Bewusstsein bei Homophobie größer ist als bei Sexismus. Woran liegt das?

Frau Pehoviak:
Ich glaube, das liegt daran, weil es einen viel größeren Raum in der Öffentlichkeit einnimmt. Es kommt immer darauf an, welche Themen man in der Öffentlichkeit bespricht und dann lässt man vielleicht ein anderes Thema beiseite. Mein Eindruck ist, dass das Thema „Homophobie“ ein sehr häufig diskutiertes Thema in den Medien warund ist, dadurch hat es einfach mehr Gewichtung bekommen. Das Thema „Sexismus“ wurde dadurch vielleicht etwas zurückgestellt. Das ist meine persönliche Wahrnehmung.

Tjorven:
Ganz am Anfang haben Sie gesagt, dass viele Schüler ihre Erlebnisse und Gefühle beschreiben, es aber noch nicht mit so Begriffen wie „Rassismus“ oder „Homophobie“ benennen können. All diese Themen haben natürlich Auswirkungen auf die mentale Gesundheit der Schüler:innen, wie stark ist dieser Einfluss von zum Beispiel homophober Bemerkungen auf die mentale Gesundheit heutzutage?

Frau Pehoviak:
Ich glaube, auf der einen Seite stärker als früher, weil man sich mehr damit auseinandersetzt, auf einer anderen Ebene aber auch schwächer als früher, weil man sich eben damit auseinandersetzen darf.

Miriam:
Mentale Gesundheit wird ja auch oft noch stigmatisiert und ist meist ein Konfliktpunkt, weil es oft von vielen nicht als etwas Legitimes anerkannt wird. Wie würden Sie die Offenheit der Schulgemeinde in diesem Themenbereich einschätzen?

Frau Pehoviak:
Ich glaube, auch in diesem Bereich hat sich in den letzten Jahren viel verbessert. Wenn man ein gebrochenes Bein hat, sieht jeder, dass du krank bist, und damit ist das ganz leicht zu akzeptieren, dass man nicht rennen kann. Wenn man Angst hat zu fallen, weil man schlechte Erfahrungen oder Ähnliches gemacht hat, dann wird das für eine Weile akzeptiert, aber dann gerät es in Vergessenheit, weil man es einfach nicht sehen kann. Viele mentale Probleme sind einfach nicht sichtbar und ich glaube, dass es Krankheitsbilder gibt, die man als Außenstehender nicht greifen kann. Ich meine, dass da heutzutage viel mehr getan wird und sich einiges bewegt hat. Zumindest hier an der Schule.

Tjorven:
Wir wollen ja mit unserem Projekt all diese Themen ansprechen und aufklären, damit sich noch mehr tut. Was wäre ein grundsätzlicher Tipp, den sie uns noch mit auf den Weg geben würden?

Frau Pehoviak:Ein grundsätzlicher Tipp von mir wäre, dass man Dinge, die einen bewegen, ehrlich anspricht. Es ist ganz wichtig, ehrlich zu kommunizieren. Wenn man Dinge anspricht, weil sie einem am Herzen liegen, kommt man am besten dran, weil man nicht von oben herabkommt, nicht belehrend, sondern erklärend. Die Grundlage von allem ist, einander zu respektieren und zu tolerieren. Man muss akzeptieren können, dass nicht alle Menschen so sind wie ich und dass alle eine Daseinsberechtigung haben.

Miriam:
Genau das ist das Ziel des Projekts „SCHULE MIT COURAGE“:  Dass man den Dialog, die Kommunikation aufrechterhält und aufklärt. Dass man über die Dinge redet.

An dieser Stelle möchten wir uns sehr für ihre Zeit bedanken. Danke vielmals, dass Sie mit uns gesprochen und uns einen interessanten und informativen Einblick aus Ihrer Sicht gegeben haben.

Frau Pehoviak:
Immer gerne! Ich finde das toll, dass ihr das macht.

Erste gleichgeschlechtliche Beziehung

Ich bin seit 2015 Schülerin der Tilemannschule und vor ungefähr drei Jahren habe ich mich zum ersten Mal gefragt, ob ich wirklich hetero bin. Ich hatte keinen konkreten Anlass, mir diese Frage zu stellen, außer dass ich es nicht als selbstverständlich angesehen habe hetero zu sein. Vielleicht war es Glück oder einfach nur Zufall, denn eine meiner Freundinnen hat sich dieselbe Frage gestellt und so haben wir in der anderen eine Vertrauensperson gefunden. Nach ein paar Monaten haben wir Gefühle für einander entwickelt und sind zusammengekommen. Meine Freunde wussten davon und haben sehr gut reagiert. Auch meine Familie hat mich unterstützt und obwohl der Prozess meines Coming-Outs in meinem nahen Umfeld recht reibungslos verlief, habe ich doch recht deutlich gespürt, dass meine Beziehung anders wahrgenommen wurde. Obwohl ich nie öffentlich, radikale Homophobie erfahren habe, wurden einem doch öfters seltsame Blicke zugeworfen oder Kommentare gemacht.

Ich bin der Meinung, dass Homophobie viele Schichten hat und sich nicht nur in körperlicher oder verbaler Gewalt äußert, sondern auch in der unterschwelligen Reaktion auf queere Personen. Ich bin mir bewusst, dass es für viele Leute etwas Ungewohntes und Neues ist und demnach ist es verständlich, dass sie zwei Sekunden länger hinschauen. Mein Wunsch ist jedoch, dass es so normal wird, dass man irgendwann nicht mehr sagen muss: „Ich bin bi“, oder: „Ich bin lesbisch“, sondern dass man einfach sagt: „Wir sind zusammen, Wir sind verliebt“.


Was mir damals in der Mittelstufe sehr geholfen hat, war ganz eindeutig die öffentliche Beziehung zweier Mädchen aus der Oberstufe. Es gab mir das Gefühl, nicht alleine zu sein und es hat mich darin bestärkt weiterhin Ich-selbst zu sein. Da ich über die letzten Jahre viele eigene Erfahrungen gesammelt habe, hoffe ich sehr, dass ich einigen jüngeren Schüler:innen zeigen kann, dass es okay ist, queer zu sein, ohne sich zu schämen oder zu verstecken. Mein Ziel ist es Mut zu machen, zu unterstützen und noch mehr dazuzulernen.

Ich frage mich oft, wie man Leute hassen kann, die sich lieben und niemandem etwas tun. Meistens ist es allerdings noch nicht mal purer Hass, sondern eine unterbewusste Abneigung gegen etwas, was man nicht kennt und was nicht in seine eigene Weltvorstellung passt. Der beste Schritt verinnerlichte Homophobie zu bekämpfen ist also eigentlich ganz simpel: Normalisierung und das Hinterfragen von gesellschaftlichen Normen. Menschen haben Angst vor dem, was sie nicht verstehen, also müssen wir aufklären und dabei geduldig sein. Wir müssen Gespräche über LGBTQ+ beginnen und am Laufen halten, sodass es nicht selbstverständlich ist, dass ein Kind hetero ist. Wir müssen denen, die alleine sind und von Familie oder Freunden nicht akzeptiert werden, einen Ort geben, an dem sie sie selbst sein können und mehr über sich selbst und ihre Sexualität erfahren.
Wir alle machen Fehler und niemand kann alles wissen, aber das Wichtigste ist, einander zuzuhören und verstehen zu wollen.

Autorin: Tjorven Druck



Freundschaftsabbruch wegen der Sexualität

Autor:in: Anonym

Ich bin seit 5 Jahren auf der Tilemannschule und fand schnell Anschluss bei 3 Mädchen in meiner Klassenstufe. Wir verstanden uns sehr gut und waren unzertrennlich. Irgendwann jedoch begannen wir uns in 2er Teams zu spalten. Ich wuchs immer fester mit dem Mädchen in meinem „Team“ zusammen. Auf einmal verkündeten die beiden anderen Mädchen, sie wollten nicht mehr mit uns befreundet sein. Ich verstand die Welt nicht mehr, denn die beiden anderen hatten sich zwar etwas distanziert, aber ich hatte nicht erwartet, dass sie die Freundschaft komplett kappen würden. Nach einiger Zeit versuchte ich den Grund für die Distanzierung von mir und dem anderen Mädchen zu finden. Ich hatte gedacht mir würde es danach bessergehen, aber als die beiden Mädchen verkündeten, sie haben sich distanziert, da sie die Vermutung gehegt hatten, dass das Mädchen mit dem ich sehr eng befreundet war/bin lesbisch ist, gerieten wir ins Nachdenken. Nachdem wir die Freundschaft zu den anderen Mädchen dann ganz offiziell beendet hatten, dachte ich sehr lange mit der ebenfalls betroffenen Freundin über unsere Sexualität nach. Wir sind bis heute zu keinem Schluss gekommen, aber da es für mich nicht selbstverständlich ist hetero zu sein, kann ich mir für mich persönlich gut vorstellen bi oder lesbisch zu sein. Nach einiger Zeit entschuldigte sich eines der beiden Mädchen bei uns und gab zu, dass sie einen großen Fehler gemacht hatte. Ich versuchte mich in ihre Lage zu versetzten und verstand, wenn auch nur teilweise, warum sie erst etwas Zeit zum Nachdenken gebraucht hatte, um sich zu besinnen. Wir verziehen ihr und sind heute wieder gute Freunde.

Ich habe in dieser Situation deutlich gemerkt, dass einige Menschen heterosexuelle Menschen als „besser“ oder sogar „wertvoller“ ansehen. Ich frage mich heute noch warum so eine oberflächliche Sache, wie die eigene Sexualität ein Grund für das Beenden einer so guten Freundschaft sein kann.

September 2021

Das Mädchen, welches sich bis jetzt noch nicht „entschuldigt“ hatte, kam vor kurzem auf uns zu und hat geäußert, dass es ihr sehr leidtut und dass sie jetzt einsähe, dass ihr Handeln falsch gewesen ist. Das hat mich sehr gefreut, da sie nach fast 3 Jahren trotzdem noch zu uns gekommen ist und es ihr offensichtlich wichtig gewesen ist, dass wir die Sache klären.

Erfahrungen von zwei verheirateten Frauen

Autorin: Franziska Jung

Die Namen der interviewten Frauen wurden aufgrund des Datenschutzes und zur Wahrung der Anonymität geändert.


Wie und wann habt ihr gemerkt, dass ihr lesbisch seid?

Celine: Eine gute Freundin gestand mir, dass sie in mich verliebt ist. Ich war erst 14 und anfangs total unsicher, aber ich fand sie auch toll, also probierten wir es einfach. Es klappte so gut, dass wir mehr als drei Jahre zusammen waren. Mit 17 Jahren probierte ich dann auch eine Beziehung mit einem Jungen, aber das klappte einfach nicht.

Paula: So langsam gemerkt habe ich es erst, als ich 18 war und ein Mädchen interessant fand, ich habe mir dabei aber nichts gedacht. Als ich zwei Jahre später zum Frauenfußball kam, hat sich alles verstärkt.

Wann habt ihr euch geoutet und was sagen eure Familien und Freunde dazu?

Celine: Vor meinen bzw. unseren Freunden war das Outing gar kein Problem. Wir waren eine große Clique und es war ganz normal. Auch im Jugendhaus gab es seitens der anderen Jugendlichen und der Erzieher volle Akzeptanz. Meiner Mum sagte ich es erstmal nicht, da wir damals einen familiären Schicksalsschlag erlitten hatten und ich wollte ihr nicht noch mehr Kummer machen.

Als ich 15 war wollten wir in den Urlaub, da kam bei mir natürlich die Sehnsucht nach meiner Freundin auf und ich wollte nicht mit, deswegen machte ich einen Aufstand. Meine Mum reagierte total cool, sagte, sie hätte sich schon gedacht, dass ich eine Freundin habe und ich bin doch ihre Tochter und die Hauptsache ist, dass ich glücklich bin. Meine Freundinnen waren auch alle wie Töchter für sie. Ich denke, dadurch dass meine Mum so cool war, war es für alle anderen in der Familie auch kein Problem. Selbst mein Opa mit damals 80 Jahren fand es normal. Einzig meine Brüder brauchten etwas Zeit, um sich daran zu gewöhnen, da halfen deren jeweilige Partnerinnen.

Paula: Mein Outing war teilweise sehr schwer. Im Freundeskreis bzw. in der Mannschaft war das Outing kein Problem, da die Hälfte der Mädchen auch lesbisch waren. Bei meiner Familie war das Outing schwierig. Meiner Mum war irgendwann klar, dass ich mich in ein Mädchen verliebt hatte. Aber es hat lange Zeit gedauert, bis sie es verdaut hatte. Ihr war immer wichtig, dass ich glücklich bin und dass ich ein gutes Verhältnis zu ihr habe. Mein Bruder kam ebenfalls damit nicht klar, aber wir hatten vorher schon kein super Verhältnis zueinander. Durch die Jahre hat sich das aber alles stabilisiert.

Wurdet ihr aufgrund eurer Sexualität angefeindet?

Celine: Ich wurde dafür nie angefeindet, auf Frauen zu stehen. Es gab nur eine Sache, die für Jugendliche besonders heftig war. Meine erste Freundin hatte sich zuhause geoutet und bekam von ihrer Mum zu hören, dass es schade ist, dass Hitler nicht mehr lebt. Er würde das nicht zulassen. Dadurch mussten wir vor ihr alles geheim halten. Aber es ging, wir hatten tolle Freunde, die uns immer unterstützt haben und durch das Jugendhaus durften wir so manches Wochenende auf Freizeiten zusammen verbringen, ohne dass ihre Mum wusste, dass ich dabei bin!

Ein anderes Problem waren die Jungs mit ihren blöden Sprüchen. Das war aber nur nervig. Von wegen „Küsst euch mal!“, „Darf ich mitmachen“ oder sowas.

Paula: Nein, angefeindet wurde ich dafür nie.

Ist es euch schwer gefallen eine Partnerin zu finden?

Celine: Eine Partnerin zu finden ist sicherlich schwerer als einen Partner zu finden. Ich hatte keine Probleme, meine erste Freundin kam ja auf mich zu. Meine zweite feste Freundin war bei meiner Cousine in der Klasse und wir lernten uns auch durch sie kennen. Meine Frau Paula lernte ich durch eine Klassenkameradin kennen. Es gibt aber mittlerweile viele Online-Plattformen und auch in größeren Städten gibt es Lokalitäten extra für Homosexuelle. Dort war ich aber nur einmal.

Paula: Nein, wir sind früher oft nach Mainz zu den Partys gefahren, wo nur Gleichgesinnte waren. Man hat einfach schnell durch Freundinnen wieder neue Partnerinnen gefunden bzw. hat es sich dann entwickelt.
Was sind alltägliche Dinge, die euch das Leben schwerer machen, die anderen vielleicht nicht auffallen?

Celine: Ganz klar schwerer ist natürlich die Familienplanung. Wenn man ein Baby möchte, muss man viele Hürden nehmen. In Deutschland haben nur heterosexuelle Paare Zugang zu den Kinder-Wunsch-Zentren. Ich glaube, es gibt eine einzige für Homosexuelle, da bin ich mir aber nicht ganz sicher. (VivaNeo Zentren in Deutschland, Ceres Kinderwunschzentrum etc. – Anmerkung der Redaktion)

Im Ausland kann man sich für viel Geld in Kliniken „behandeln“ lassen, viele geben an die 10.000 bis 15.000 Euro aus, bis sie schwanger werden. Es gibt auf der anderen Seite auch viele Männer, die einem gegen geringe Kosten helfen. Da hat man oft nur keine Garantie, dass der Mann gesund ist. Jedoch kann man gezielt nach „Yes-Spendern“ suchen, die Kontakt mit dem Kind wollen.

Was auch „schwerer“ ist, sind die Blicke, die viele einem zuwerfen oder auch die kurz zögern, wenn man sagt, dass man mit einer Frau verheiratet ist. Ein Beispiel: Wir sind zum Standesamt, um unsere Eheschließung anzumelden. Die Frau war total überfordert, stotterte und wusste kaum, was sie sagen sollte. Da noch Papiere gefehlt haben, mussten wir diese holen und kamen nach einer Stunde wieder und dann war die Frau ganz normal und konnte damit umgehen. Viele sind da einfach noch vor den Kopf gestoßen.

Paula: Bei der Kinderplanung besteht der Nachteil darin, dass die zweite Mutter einen sogenannten Antrag zur Stiefkinderadoption stellen muss. Da werden vom Jugendamt familiäre Verhältnisse und finanzielle Verhältnisse geprüft. Vor dem Gericht wird dann entschieden, ob dem Antrag stattgegeben wird oder nicht. Bei heterosexuellen Paaren ist das völlig egal, ob es der biologische Vater ist oder ein neuer Mann an der Seite der Mutter.

Ansonsten wird man natürlicher öfter schräg angeschaut, wenn man Händchen haltend durch die Stadt läuft.

Auf welche Vorurteile stoßen du und deine Partnerin?

Celine: Ein ganz großes Vorurteil für Homosexuelle ist ganz klar, dass viele sagen, es wäre keine richtige Familie. Dem Kind würden dann Mutter oder Vater fehlen. Wenn man dann an die alleinerziehenden Elternteile denkt, kommt man sich ehrlich gesagt ziemlich dumm vor. Ein Problem wird für uns sein, dass nicht direkt beide Eltern sind, sondern dass die andere Frau, wie von Paula schon erwähnt hat, einen Adoptionsantrag stellen muss, der oft sechs Monate dauern kann. Somit fällt dann auch weg, die ersten Wochen gemeinsam in Elternzeit zu gehen. Bei heterosexuellen Paaren wird der Vater einfach in die Geburtsurkunde geschrieben und gut ist.

Zudem ist der Frauenfußball ein Vorurteil. Alle, die dort spielen, werden direkt als lesbisch bezeichnet. Und Jungs, die tanzen oder als Friseur arbeiten, werden automatisch als schwul dargestellt.

Paula: Ein Vorurteil ist auch, dass lesbische Frauen wie Männer aussehen. Ich wurde auch schon mal blöd angeschaut, als ich auf der Damentoilette an einer Tankstelle war.

Wie geht ihr mit Leuten um, die euch sagen, dass sie euch wegen eurer sexuellen Orientierung nicht akzeptieren?

Celine: Auf gezielte Personen, die damit nicht umgehen können, bin ich, bis auf die Mum meiner ersten Freundin, noch nicht gestoßen. Damals haben wir das ausgeblendet und haben unsere Beziehung vor ihr verheimlicht.

Aber allgemein ist natürlich die katholische Kirche dagegen. Diese Ansichten sind total konservativ und veraltet. Obwohl die sogar Autos, Motorräder, Tiere usw. segnen!

Paula: Das hatte ich noch nicht, dass mich jemand wegen meiner sexuellen Orientierung nicht akzeptiert hat. Ich hatte nur einmal eine Anmerkung von einer Mitschülerin, dass es nicht normal sei und dass ich in eine Therapie gehen muss. Sowas ignoriert man dann einfach.

Gibt es spezielle Situationen, in denen es schwer fällt zu sagen, dass man eine andere sexuelle Orientierung hast, oder gibt es Situationen, in denen man absichtlich verschweigt, dass man lesbisch ist? Wenn ja, wieso?

Celine: Verschweigen tue ich es nicht, aber ich erzähle es auch nicht jedem. Ich bin Erzieherin und manche Eltern auf der Arbeit wissen es, manche nicht. Ich denke, es ist doch ganz normal und die anderen Erzieherinnen stellen sich ja auch nicht vor mit: „Hallo ich bin der und der und lebe in einer heterosexuellen Ehe.“  Weshalb sollte ich es tun? Wenn es jemanden interessiert, kann er fragen.

Paula: Naja, man bindet es nicht direkt jedem auf die Nase. Man muss die Person erstmal etwas besser kennen, bevor man sich vor ihr outet. Auch in der Arbeitswelt kann das ein schwieriges Thema sein. Ich hatte aber bisher keine Probleme damit. Alle respektieren mich so, wie ich bin. Manche sind sogar interessiert an dem Thema.

In welchen Situationen fühlt ihr euch besonders unwohl?

Celine: Unwohl fühle ich mich eigentlich nie. Klar, manche Blicke nerven, aber da muss man drüberstehen.

Paula: Man fühlt sich teilweise unwohl, wenn man in der Öffentlichkeit Händchen hält oder sich küsst. Die Blicke werden nicht lange auf sich warten lassen.

Habt ihr Ratschläge oder etwas, was ihr anderen mit auf den Weg geben möchtet?

Celine: Seid immer ihr selbst, egal was andere sagen! Es ist euer Leben und ihr müsst euch wohlfühlen.

Paula: Bleibt euch selbst immer treu und überlegt euch, ob ihr euch outen möchtet. Aber nach einem Outing fühlt ihr euch befreiter und man muss sich nicht mehr verstecken. Als Elternteil sollte man die Kinder so akzeptieren, wie sie sind, und sie auch bei allem unterstützen!

Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Celine: Ganz klar, dass es noch normaler wird, homosexuell zu sein. Auch mehr Unterstützung bei einem Kinderwunsch, und dass ein Kind von Geburt an zwei eingetragene Mütter / Väter haben kann – mit allen Rechten und Pflichten!

Paula: Ich wünsche mir für die Zukunft, dass die Gesellschaft sich so entwickelt, dass es einfach normal sein wird. Außerdem sollte die Gesetzgebung endlich mal Gleichheit herstellen zwischen Homosexuellen und Heterosexuellen. Die Ehe für alle war ein Kraftakt in den Parteien, aber das war nur der Anfang. Das Abstammungsrecht dürfte auch keine Unterschiede mehr aufzeigen. Leider ist die CDU immer noch dagegen und deswegen wird das wahrscheinlich auch noch ein paar Jahre dauern.

Zusammenhang zwischen Weltreligionen und LGBTQ+

Da es immer noch nicht überall hundertprozentig akzeptiert wird, Teil der LGBTQ+ Community zu sein, beschäftigt sich dieser Text mit den Ansichten der verschiedenen Religionen in Deutschland, denn auch die eigene Religion verursacht manchmal neue Probleme. Bis 2017 haben die meisten Kirchen und Religionen, wie z.B. das Christentum, der Judentum oder der Islam in Deutschland die Trauung von beispielsweise homosexuellen Paaren nicht gutgeheißen.  In Deutschland können homosexuelle Paare seit 2017 staatlich heiraten, doch wenn es um eine kirchliche Trauung geht, kommt es auf Ort, Kirchengemeinde und Religion an.

Bei den Katholiken erlauben von den 20 Landeskirchen beispielsweise 11 eine öffentliche Trauung, 7 einen öffentlichen Segen und nur 2 bevorzugen einen privaten Segen. Des Weiteren macht Papst Franziskus immer wieder Andeutungen und Aussagen zum Thema LGBTQ+. Im November 2020 sagte er: „Was wir benötigen, ist ein Gesetz, das eine zivile Partnerschaft ermöglicht“. Damit kommt er ein Stück auf die LGBTQ+ Community zu. Doch nur knapp 4 Monate später äußert er sich kritisch gegenüber homosexuellen Paaren und verkündet, er könne diese nicht trauen1. Daher wird ihm vor allem von vielen Katholiken, aber auch von vielen anderen, die ihre Enttäuschung so zum Ausdruck bringen, Kritik entgegengebracht2.

Doch nicht nur in der katholischen Kirche treten teilweise Probleme im Umgang mit anderen Sexualitäten auf. Auch in der evangelischen Kirche ist es erst seit kurzem offiziell möglich, sich als homosexuelles Paar trauen zu lassen. Doch als 2013 die evangelische Kirche in Hessen-Nassau die Trauung eines homosexuellen Paars erlaubt, folgen die anderen Bundesländer sehr schnell. In der Regel ist im Christentum eine homosexuelle Trauung möglich.

Im Allgemeinen ist im Judentum eine homosexuelle Partnerschaft oder Ehe erlaubt. Die Juden gründeten sogar die „Vereinigung schwuler, lesbischer und bisexueller Juden und Jüdinnen in Deutschland“. Sehr orthodoxe Juden und Jüdinnen, die die alten Schriften sehr ernst nehmen, sind dabei allerdings eine Ausnahme. Denn in den alten Schriften werden sexuelle Handlungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern als „Gräueltat“ bezeichnet und sollten laut den alten Schriften sogar mit dem Tod bestraft werden.

Der Islam hat im Allgemeinen eine etwas strengere Weltsicht zum Thema Homosexualität und LGBTQ+. Häufig wird es als Sünde bezeichnet, mit einem gleichgeschlechtlichen Partner zusammen zu sein. Queere Muslime haben es sehr schwer, da der Islam traditionell nur Sexualität zwischen Mann und Frau gutheißt. Es ist wichtig zu erwähnen, dass bei Bezug auf den Koran die Interpretation eine große und ausschlaggebende Rolle spielt.

Autorin: Marie Gillen

1 https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/katholisch-und-schwul-die-katholische-kirche-und-homosexualitaet

2 https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/kritik-an-nicht-segnung-homosexueller-paare-durch-vatikan-17248036.html

Quellen:

https://www.religionen-entdecken.de/religion-und-gesellschaft/startseite
https://www.domradio.de/themen/vatikan/2021-03-16/vatikan-reagiert-auf-debatte-deutschland-papst-erteilt-segnungen-homosexueller-paare-eine-absage

Homophobie

Autor: Thomas Riedel

Stell dir vor, du wirst beschimpft, wenn du deinen Partner in der Öffentlichkeit küsst.

Stell dir vor, dein Bruder begeht Selbstmord, weil er die falsche Person liebt.

Und jetzt stell dir vor, das ist die Realität.

Immer noch fühlen sich Menschen angegriffen, wenn sich zwei gleichgeschlechtliche Partner küssen. Etwa die Hälfte der Befragten einer Studie stimmten der Aussage „Wenn sich zwei Schwule auf der Straße küssen, finde ich das abstoßend“, zu. Derartige Einstellungen, die Ablehnung schwuler Männer und lesbischer Frauen, werden unter dem Begriff Homophobie gefasst. Dieser Begriff ist allerdings strittig, da eine Phobie eine unkontrollierbare Angststörung ist. Im Gegensatz dazu ist Homophobie allerdings eine Art Unsicherheit, Feinseligkeit oder Ekel im Zusammenhang mit gleichgeschlechtlicher Liebe. Dies äußert sich zum Beispiel in Unwohlsein in der Gegenwart von Homosexuellen, oder in der Ablehnung von Rechten für Homosexuelle, etwa der gleichgeschlechtlichen Ehe, oder darin, dass man aktiv den Kontakt mit Homosexuellen meidet. Eine solche Haltung ist oft durch die Erziehung, Religion oder das Umfeld geprägt, und ist somit auch kontrollierbar. Wenn du dich also dabei erwischst, dass du dich in der Gegenwart von Schwulen oder Lesben unwohl fühlst, solltest du dich fragen: „Bin das wirklich ich oder hat mir die Gesellschaft das antrainiert?“
Dadurch werden deine folgenden Handlungen nicht mehr ein unbewusster Akt der Ausgrenzung, sondern vielleicht eine bewusste Entscheidung zur Akzeptanz.

Was sind die Ursachen von Homophobie?

Es gibt viele Einflussfaktoren, die bei der Entstehung von Vorurteilen eine Rolle spielen.
Zum einen vereinfachen Menschen ihre Umwelt und stecken daher andere in Schubladen. So werden also Schwule und Lesben unterbewusst mit einem Label versehen, einer Art Durchschnitt aus eigenen Erfahrungen und allgemeinen gesellschaftlichen Vorstellungen. Es ist offensichtlich, dass eine solche Kategorisierung auf den einzelnen Menschen in den seltensten Fällen zutrifft und man sollte sich das auch bewusst machen.

Weiterhin wollen Menschen sich selbst aufwerten und werten zu diesem Zweck Andersartige ab. Das kann passieren, wenn man sich in seinem eigenen Selbstwert oder in der Gruppenzugehörigkeit bedroht fühlt.

Dazu kommt die generelle Abwehrhaltung gegenüber dem Unbekannten, die jeder Mensch von Grund auf hat. Hier hilft es, wenn LGBTQ+ bekannter wird und immer mehr Menschen sich outen bzw. wenn es auch in der öffentlichen Meinung zu der normalen Sache wird, die es ist. In den drei eben genannten Fällen, also Schubladendenken, Selbstaufwertung und Angst vor dem Unbekannten laufen eher unbewusste Prozesse ab, die Homophobie oder auch andere Vorurteile verursachen und man kann dem entgegenwirken, indem man sich bewusst macht, dass es diese Prozesse gibt und sich selbst darin übt, nicht in ein solchen Denken zu verfallen.

Ein weiterer Faktor ist die alltägliche Sprache. Wenn Sätze wie: „Nein ich will das nicht, das ist voll schwul“ verwendet werden, in denen schwul in einem negativen Kontext auftaucht, dann speichert unser Gehirn eine negative Einstellung gegenüber dem Schwulsein ab.
Daher: Achtet auf eure Sprache und scheut euch auch nicht, andere darauf hinzuweisen, dass sie doch bitte anders reden sollen.

Sind homophobe Menschen selbst homosexuell?

Einer Theorie von Sigmund Freud zufolge gibt es einen Abwehrmechanismus namens Projektion, bei dem unerwünschte eigene Gefühle, Impulse oder Wünsche bei anderen auch als unerwünscht angesehen werden. So schämt sich z.B. ein Schwuler für seine eigenen Gefühle und schafft es nicht, sich zu outen, und entwickelt daher einen Hass auf andere, die ihrem wahren Selbst nachgehen. Umgekehrt heißt das, dass manche homophobe Menschen vielleicht selbst homosexuell sind. Eine Studie mit einer relativ kleinen Stichprobe (eher geringe Aussagekraft) hat das Erregungslevel von als homophob eingestuften Männern beim Anschauen von homosexuellem Videomaterial gemessen und herausgefunden, dass diese homophobe Testgruppe stärker erregt war als eine nicht homophobe Vergleichsgruppe.

Auch ein anderes Experiment konnte zeigen, dass homosexuelle Neigungen bei Menschen vorhanden sind, die behaupten, vollständig heterosexuell zu sein. Interessant war hier, dass Menschen mit homosexuellen Neigungen, die aber aussagen, heterosexuell zu sein, ein gesteigertes Aggressionsverhalten gegenüber Homosexualität an den Tag legen.

Fazit: Unterdrückte Homosexualität kann zu Homophobie führen. Man sollte sich also bewusst machen, dass es völlig normal ist, schwul oder lesbisch zu sein, und auch seiner inneren Einstellung folgen. Somit kann man erstens verhindern, dass man selbst homophob handelt, zweitens mit einem guten Beispiel vorangehen und drittens wird man selbst auch viel glücklicher.

Ist es okay, wenn ich als Junge meinen besten Freund umarme, auch wenn ich nicht schwul bin?

Wir leben leider in einer Gesellschaft, in der es schwierig ist, unter Jungs Körperkontakt zu haben. Immer steht der Gedanke im Hinterkopf: „Wenn ich ihn jetzt berühre, denkt er dann, dass ich schwul bin? Verurteilt er mich dann?“ Deswegen kann ich aus persönlicher Erfahrung sagen, dass auch emotionalere Gespräche unter Jungs oft mit einem gewissen „Sicherheitsabstand“ geführt werden, weil man Angst vor dieser Schublade hat, in die man gesteckt werden könnte. Und dabei gibt es doch eigentlich, wenn man grade Liebeskummer hat oder sich komplett unter Druck gesetzt fühlt, nichts Besseres als eine Umarmung oder eine unterstützende Hand auf dem Arm. Deswegen finde ich es wichtig, dass man sich über derartige Ängste hinwegsetzt und sich nicht davon abhalten lässt, einen guten Freund zu trösten und aufzumuntern.

Hier weiterlesen:

Homophobie unter Jugendlichen | Deutschland | DW | 20.03.2012

Homophobie – ein langer Weg zum Fortschritt | Deutschland | DW | 23.09.2020

Homophobie – Durch persönliche Erfahrungen schwinden die Vorurteile (Archiv) (deutschlandfunk.de)

Was du über Homophobie wissen musst – FAQ – quarks.de